Lexikon-Eintrag

Birkenspanner Biston betularia

Birkenspanner (Biston betularia), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie
Geometridae
Gattung
Biston

Überblick

Einleitung

Der Birkenspanner (Biston betularia) ist ein Nachtfalter aus der Familie der Spanner (Geometridae).13 Die Art ist in Europa, weiten Teilen Asiens und Nordamerikas verbreitet und bewohnt Wälder, Gebüsche und auch Siedlungsräume.12 Berühmt wurde sie durch die dunkle Farbform carbonaria, die in den Industriegebieten Englands im 19. Jahrhundert häufiger wurde. Der Birkenspanner gilt deshalb als klassisches Lehrbuchbeispiel für Anpassung durch natürliche Selektion.12

Die Raupen sind perfekte Nachahmer kleiner Zweige. Zu den Verwandten zählen weitere Spanner wie der Eichen-Birkenspanner, der Kleine Frostspanner und der Weiden-Rindenspanner.

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Wissenschaftlicher Name: Biston betularia (Linnaeus, 1758); GBIF: akzeptiert3
  • Familie: Spanner (Geometridae), Ordnung Schmetterlinge (Lepidoptera)13
  • Flügelspannweite: etwa 45 bis 62 mm2
  • Flugzeit: Mai bis August; eine Generation pro Jahr in Mitteleuropa12
  • Raupen: Zweigmimese, grün bis dunkelbraun, stark polyphag12
  • Überwinterung: als Puppe im Boden2
  • Dunkle Form: carbonaria, Beispiel für Industriemelanismus12
  • Verwechslung: Biston strataria1
  • OpenInsect-Community: 1 Scan, letzter am 17.04.2026

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Flügel sind weiß mit schwarzer Zeichnung („Pfeffer-Sprenkelung“) und dadurch zwischen Flechten und Birkenrinde gut getarnt.12 Die Flügelspannweite beträgt nach englischsprachigen Angaben 45 bis 62 mm bei einem Mittel von etwa 55 mm; die deutschsprachige Darstellung nennt bis zu 55 mm.12 Der Körper ist relativ kräftig, die Vorderflügel sind schmal gestreckt, und die Fühler der Männchen sind stark gekämmt. Die schwarze Sprenkelung ist unterschiedlich stark: Bei manchen Tieren fast fehlend, bei anderen so dicht, dass die Flügel schwarz mit weißen Punkten erscheinen. Selten sind Quer­linien und Sprenkelung grau oder braun.2

Neben der hellen Form (typica) gibt es mehrere genetisch festgelegte dunkle Farbformen, darunter die fast schwarze carbonaria.12 Die Raupen sind lang und dünn und je nach Umgebung hellgrün bis dunkelbraun gefärbt, sodass sie kaum von kleinen Zweigen zu unterscheiden sind.12 Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Raupen die Farbe ihres Untergrunds über die Haut wahrnehmen und ihre Körperfarbe anpassen können.12

Systematik

Namen & Einordnung (kurz)

Der wissenschaftliche Name lautet Biston betularia (Linnaeus, 1758); GBIF führt ihn als akzeptiert in der Familie Geometridae, Ordnung Schmetterlinge (Lepidoptera).3 Im Deutschen heißt die Art Birkenspanner, im Englischen „peppered moth“ („gepfefferter Falter“) nach der schwarzen Sprenkelung der Flügel.12 Das Epitheton betularia verweist auf die Birke (Betula).

Die dunkle Farbform wird als Biston betularia f. carbonaria bezeichnet. Die Schreibweise mit „f.“ (forma) ist wichtig, denn ohne dieses Kürzel würde der Name eine Unterart bezeichnen.2 Als ähnliche Art nennt die deutschsprachige Darstellung den Pappel-Dickleibspanner (Biston strataria), der im Lexikon als Eichen-Birkenspanner geführt wird.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Der Birkenspanner bildet in Mitteleuropa eine Generation pro Jahr; in Großbritannien und Irland ist die Art einbrütig, im Südosten Nordamerikas zweibrütig.12 Der Lebenszyklus umfasst Ei, mehrere Raupenstadien, Puppe und Falter. Die Puppen überwintern im Boden.2 Die Raupen fressen an sehr vielen Pflanzen, die Art ist ausgesprochen polyphag; für Baden-Württemberg werden 45 verschiedene Futterpflanzen genannt. Häufig genannt werden Pappel, Birke, Weide und Eiche, außerdem Stieleiche, Schwarzerle und Schlehe.1

Die Falter schlüpfen in den Abendstunden und trocknen ihre Flügel vor dem ersten Flug. Die Männchen sind etwas früher dran als die Weibchen und fliegen jede Nacht auf der Suche nach Weibchen, die ihrerseits nur in der ersten Nacht fliegen und danach durch Duftstoffe (Pheromone) Männchen anlocken.2 Männchen bleiben beim Weibchen, bis es die Eier gelegt hat. Ein Weibchen legt nach englischsprachigen Angaben etwa 2.000 blassgrüne Eier in Rindenspalten.2

Tagsüber verbergen sich die Falter, vor allem vor Vögeln, an Bäumen. Eine Untersuchung in Cambridge fand die Tiere mehr als zur Hälfte auf Ästen, rund 37 % an Stämmen und etwa 13 % an oder unter Zweigen.2

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Das Areal reicht von der Iberischen Halbinsel durch ganz Europa und die gemäßigten Zonen Ostasiens; im Norden bis ins mittlere Fennoskandien, im Süden bis zum Mittelmeerraum und nach Kleinasien. Die Art kommt auch in Nordamerika vor.12

Als Lebensraum nennt die deutschsprachige Darstellung Auen-, Bruch- und Laubmischwälder und die angrenzenden gebüschreichen Randzonen. Der Falter wird zudem in bewirtschaftetem oder aufgelassenem Kulturland und in dicht bebauten Siedlungsräumen beobachtet.1

In Deutschland sind aktuelle Beobachtungen auf iNaturalist dokumentiert, etwa vom Oktober 2025 und aus Hamburg und Lübeck. In der OpenInsect-Community wurde bisher 1 Scan erfasst, der Eintrag stammt vom 17.04.2026.

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    03.10.2025

  • Deutschland

    03.10.2025

  • Deutschland

    27.09.2025

  • Curslacker Neuer Deich, Hamburg, Hamburg, Deutschland

    25.09.2025

  • Lübeck, Königstraße, 23552 Lübeck, Deutschland

    22.09.2025

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
1
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silberkrift.community
Zuletzt am 17.04.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Falter sind nachtaktiv und werden nach der deutschsprachigen Darstellung von Anfang Mai bis August beobachtet; englischsprachige Quellen nennen Ende Mai bis August.12 Die Puppen überwintern im Boden, die Raupen finden sich im Frühjahr und Sommer an Laubgehölzen.12 Zur Aktivität außerhalb dieser Flugzeit machen die herangezogenen Quellen keine Angaben; iNaturalist-Meldungen aus Deutschland vom Oktober 2025 lassen sich daher nicht einordnen.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der Birkenspanner hat eine große wissenschaftliche und didaktische Bedeutung. Die beiden Farbformen werden in Schul- und Hochschullehrbüchern häufig genutzt, um die Wirkung der Selektion zu erklären; das Thema ist ein verbreitetes Beispiel im Biologieunterricht.1 In Großbritannien beobachtete man ab dem 19. Jahrhundert, dass dunkle Tiere in stark luftverschmutzten Gebieten zunehmend häufiger wurden (Industriemelanismus). Versuche mit Faltern und Vögeln zeigten, dass dunkle Tiere auf durch Ruß dunkleren Stämmen seltener entdeckt und gefressen wurden.1

Das Experiment von Bernard Kettlewell (1953 bis 1956) wurde später kritisiert, unter anderem in Büchern von Michael Majerus und Judith Hooper. Majerus führte ab 2002 langjährige Versuche durch (2012 postum veröffentlicht), die Kettlewells Ergebnisse bestätigten.1

Schäden oder Gesundheitsgefahren durch den Birkenspanner sind in den herangezogenen Quellen nicht beschrieben. Die Raupen fressen an Laubgehölzen; eine nennenswerte Schadwirkung wird nicht genannt. Maßnahmen sind nicht erforderlich.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. Wikipedia: Birkenspanner. de.wikipedia.org/wiki/Birkenspanner (abgerufen 30.10.2026)
  2. Wikipedia: Peppered moth. en.wikipedia.org/wiki/Peppered_moth (abgerufen 30.10.2026)
  3. GBIF Backbone Taxonomy: Biston betularia (Linnaeus, 1758). gbif.org/species/1975897