Lexikon-Eintrag

Grüner Schimmel Trichoderma viride

Grüner Schimmel (Trichoderma viride), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Pilze (Fungi)
Stamm
Ascomycota
Klasse
Sordariomycetes
Ordnung
Hypocreales
Familie
Hypocreaceae
Gattung
Trichoderma
Art
Trichoderma viride

Wissenschaftlicher Name Trichoderma viride Pers.

Überblick

Einleitung

Trichoderma viride ist ein weltweit verbreiteter, bodenbürtiger Schlauchpilz aus der Familie der Hypocreaceae und die Typusart der Gattung Trichoderma.1 Die Art, deren Teleomorphe als Hypocrea rufa klassifiziert wird, findet als Nützling breite Anwendung in der biologischen Schädlingsbekämpfung und Enzymproduktion, tritt jedoch in der Speisepilzzucht als schädlicher Grünschimmel auf.12 Während das Taxon früher als Sammelart galt, wird es heute molekularbiologisch von morphologisch ähnlichen kryptischen Arten wie Trichoderma asperellum abgegrenzt.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Taxonomisch wird Trichoderma viride der Klasse der Sordariomycetes und der Ordnung Hypocreales zugeordnet.
  • Mikroskopische Analysen zeigen spezifische Merkmale wie gerade bis hakenförmige Phialiden sowie subglobose bis ellipsoide Konidien.9
  • Die wegweisende Monographie von Mien A. Rifai aus dem Jahr 1969 unterteilte die Gattung in Sektionen, wobei die Art der Sektion Viride zugewiesen wurde.
  • Zur Aufschlüsselung der kryptischen Diversität innerhalb des Artenkomplexes kamen ab den 1990er Jahren spezifische Methoden wie ITS-rDNA-Sequenzierung und RFLP-Analysen zum Einsatz.9
  • Historische Neuklassifizierungen durch Samuels et al. (1998) und Lieckfeldt et al. (1999) ordneten Stämme mit feineren Konidienwarzen der Art Trichoderma asperellum zu.
  • In der Biotechnologie wird der Pilz spezifisch für Bioenergie-Anwendungen erforscht, da seine Enzyme effizient Lignocellulose abbauen.9

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Trichoderma viride zeichnet sich durch ein schnelles vegetatives Wachstum aus, wobei Kolonien auf Kartoffel-Dextrose-Agar (PDA) bei 25 °C innerhalb von 48 Stunden einen Radius von 11 bis 33 mm erreichen. Das Myzel erscheint zunächst weiß oder transparent und entwickelt mit zunehmender Sporenbildung eine charakteristische blassgrüne bis dunkelgrüne Färbung. Die Kolonien wirken flockig bis baumwollartig und verströmen im reifen Zustand oft einen kokosnussartigen Geruch.1 Mikroskopisch zeigt der Pilz septierte, hyaline und glattwandige Hyphen, die ein dichtes Netzwerk bilden. Die Konidiophoren sind unregelmäßig baumartig verzweigt und besitzen eine 8 bis 12 μm dicke, oft gewundene Hauptachse. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal sind die einzeln stehenden, oft hakenförmigen oder gewundenen Phialiden mit einer Länge von 6,5 bis 11,2 μm. Die an den Phialiden gebildeten Konidien sind subglobos bis ellipsoid geformt und messen durchschnittlich 3,5 bis 4,5 × 3,4 bis 4,0 μm.3 Ein entscheidendes diagnostisches Merkmal zur Abgrenzung von verwandten Arten ist die gewartete (verrucose) Oberfläche der Konidien.31 Chlamydosporen fehlen bei echten T. viride-Stämmen typischerweise.3 Die sexuelle Form (Teleomorphe) ist als Hypocrea rufa bekannt und bildet auf verrottendem Holz orangefarbene bis rotbraune Stromata aus. In den Perithecien befinden sich zylindrische Asci mit dimorphen Ascosporen, die in einen rundlichen distalen und einen keilförmigen proximalen Teil zerfallen.1 Morphologisch ist die Art Teil eines komplexen Artenkreises, was die exakte Bestimmung erschwert.2 Historisch wurden viele Stämme fälschlicherweise T. viride zugeordnet, die heute aufgrund molekularer Analysen oft als Trichoderma asperellum klassifiziert werden.2 Während T. viride sensu stricto gewartete Sporen besitzt, weisen kryptische Arten im Komplex oft feinere Ornamentierungen oder abweichende Wachstumsraten auf.12 Eine sichere Unterscheidung innerhalb des Viride-Kladus erfordert oft die Sequenzierung von ITS-, tef1- und rpb2-Genloci.2

Porträt

Beschreibung

Trichoderma viride ist ein kosmopolitisch verbreiteter Schlauchpilz (Ascomycota) und fungiert als Typusart der Gattung Trichoderma.1 Charakteristisch für diese bodenbürtige Art ist das rasante Wachstum sowie die Bildung von grün gefärbten Konidien, die dem Pilz im Reifestadium sein typisches Aussehen verleihen.3 Im natürlichen Lebensraum manifestiert sich der Pilz häufig als grünlicher Belag oder Kruste auf verrottendem Holz, Rinde und Waldböden, oft umgeben von einem weißlichen oder gelblichen Rand.2 Während die Kolonien auf Nährmedien zunächst weiß oder transparent erscheinen, wechseln sie mit zunehmender Sporenbildung zu einem blassen bis dunklen Grün und verströmen oft einen charakteristischen, kokosnussartigen Geruch.3 Mikroskopisch lässt sich T. viride durch verzweigte Konidiophore unterscheiden, die baumartige Strukturen mit unregelmäßigen Verzweigungen und einer kurzen, gewundenen Hauptachse bilden.1 Ein entscheidendes anatomisches Erkennungsmerkmal sind die warzigen (verrucosen) Konidien, die eine Abgrenzung zu vielen glattsporigen Verwandten ermöglichen.3 Der Lebenszyklus wird eindeutig von der asexuellen Vermehrung dominiert, die eine effiziente Besiedlung von Substraten wie Pflanzenresten und Rhizosphären ermöglicht. Die sexuelle Form (Teleomorphe) ist als Hypocrea rufa bekannt und bildet auf Totholz orangefarbene bis rotbraune Stromata aus, in denen sich die Perithecien mit den Ascosporen befinden. Historisch wurde die Art bereits 1794 durch Christiaan Hendrik Persoon basierend auf in Deutschland gesammeltem Material erstbeschrieben.1 Lange Zeit galt der Name als Sammelbegriff für diverse grünsporige Bodenpilze, bis molekularbiologische Untersuchungen in den 1990er Jahren einen Artkomplex enthüllten.3 Insbesondere die Abgrenzung zur kryptischen Art Trichoderma asperellum ist morphologisch schwierig und oft nur durch genetische Analysen oder feine Unterschiede in der Sporenornamentierung möglich.1 Ökologisch zeichnet sich T. viride durch seine saprophytische Lebensweise aus, bei der er mittels lytischer Enzyme Lignocellulose in organischen Abfällen effizient abbaut. Als opportunistischer Mykoparasit besitzt der Pilz zudem die Fähigkeit, Hyphen pathogener Pilze zu umschlingen und mittels Chitinase-Ausschüttung deren Zellwände zu durchdringen.2 Diese antagonistischen Eigenschaften machen die Art zu einem bedeutenden Akteur in der biologischen Schädlingsbekämpfung, wobei moderne Stämme auch biotechnologisch zur Enzymproduktion oder Qualitätsverbesserung bei Fermentationsprozessen genutzt werden.5

Systematik

Name & Einordnung

Der Pilz Trichoderma viride wurde 1794 von Christiaan Hendrik Persoon als Typusart der Gattung Trichoderma validiert, basierend auf in Deutschland gesammeltem Material. Die historische Erstbeschreibung in Persoons Werk Dispositio Methodica Fungorum charakterisierte das Taxon primär anhand seiner grünen Sporen. Als Teleomorphe (Hauptfruchtform) ist der Schlauchpilz Hypocrea rufa (Pers.) Fr. bekannt, eine Verbindung, die durch molekulare Studien bestätigt wurde.1 Zu den akzeptierten Synonymen zählen historische Kombinationen wie Trichoderma lignorum (Tode) Harz, Sphaeria rufa Pers. und Pyrenium lignorum Tode.12 Lange Zeit basierte die taxonomische Einordnung rein auf morphologischen Merkmalen, bis Mien A. Rifai 1969 die Gattung in Sektionen wie Viride unterteilte, um die Variabilität der Stämme besser zu erfassen.1 Neuere phylogenetische Analysen mittels ITS-Sequenzierung zeigten jedoch, dass es sich bei T. viride sensu lato um einen Artkomplex handelte.12 Infolgedessen wurden kryptische Arten wie Trichoderma asperellum abgetrennt, wodurch die „echte“ T. viride heute als engere Klade definiert ist.12 Diese taxonomisch präzisierte Art umfasst Stämme mit warzigen Konidien, die vorwiegend in gemäßigten Zonen vorkommen.1 Phylogenetisch wird T. viride der Viride-Klade zugeordnet, welche die größte und diverseste Gruppe innerhalb der Gattung darstellt. Im Deutschen wird der Pilz meist unter dem wissenschaftlichen Gattungsnamen geführt, ist aber im Kontext der Pilzzucht international als Erreger von „green mold“ (Grünschimmel) bekannt.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Trichoderma viride wird primär durch die asexuelle Fortpflanzung bestimmt, wobei die Bildung von Konidien über Phialiden im Vordergrund steht.2 Die Entwicklung beginnt mit der Keimung der charakteristischen grünen, warzigen Konidien, sobald günstige Feuchtigkeits- und Nährstoffbedingungen vorliegen. Aus den Sporen wachsen Keimschläuche, die sich zu einem dichten Netzwerk aus dünnen, septierten und hyalinen Hyphen entwickeln. Das vegetative Wachstum verläuft äußerst rasant, sodass Kolonien auf Kartoffel-Dextrose-Agar bei 25 °C innerhalb von 48 Stunden einen Radius von 11 bis 33 mm erreichen können.1 Unter optimalen Laborbedingungen kann der gesamte asexuelle Zyklus in nur 2 bis 5 Tagen abgeschlossen werden.2 Die sexuelle Fortpflanzung ist selten und erfolgt über die Teleomorphe Hypocrea rufa, welche in orangefarbenen bis rotbraunen Stromata Ascosporen bildet. Physiologisch ist der Pilz ein mesophiler Aerobier mit einem Temperaturoptimum zwischen 25 °C und 30 °C, reagiert jedoch empfindlich auf anaerobe Bedingungen durch Staunässe sowie extreme Trockenheit.1 Als Saprophyt ernährt sich T. viride von organischem Material, indem er Lignocellulose in Totholz und Pflanzenresten mittels Cellulasen und Hemicellulasen abbaut.2 Zusätzlich agiert die Art als fakultativer Mykoparasit, der phytopathogene Pilze wie Fusarium spp. durch das Umschlingen der Hyphen und den enzymatischen Abbau ihrer Zellwände parasitiert.2 Im Wurzelbereich geht der Pilz endophytische Assoziationen ein und fördert das Pflanzenwachstum durch die Produktion von Phytohormonen wie Indol-3-Essigsäure (IAA). Synergistische Wechselwirkungen bestehen zudem mit diazotrophen Bakterien wie Azotobacter chroococcum, was die Stickstoffverfügbarkeit im Boden erhöht.1 Echte Chlamydosporen als Überdauerungsstadien fehlen bei T. viride in der Regel, weshalb die Verbreitung und das Überleben primär durch die massenhafte Produktion windverbreiteter Konidien gesichert wird.1

Lebensweise

Verhalten

Das Verhalten von Trichoderma viride ist primär durch aggressives Wachstum und kompetitive Interaktionen im Bodenökosystem geprägt, wobei der Pilz organische Substrate rasch besiedelt, um Konkurrenten zu verdrängen.1 Eine zentrale Verhaltensweise ist der Mykoparasitismus, bei dem T. viride die Hyphen pathogener Pilze wie Rhizoctonia solani oder Fusarium spp. aktiv aufspürt und umschlingt.23 Nach dem physischen Kontakt penetriert der Pilz die Zellwände des Wirts mithilfe sekretierter lytischer Enzyme, insbesondere Chitinasen und β-1,3-Glucanasen.2 Zur chemischen Abwehr und zum Angriff (Antibiose) produziert die Art Peptaibole, die Ionenkanäle in den Membranen von Konkurrenten bilden und deren Zelltod einleiten.6 In nährstoffarmen Umgebungen sichert sich T. viride durch die Abgabe von Siderophoren effizient Eisen und entzieht dieses essentielle Element anderen Mikroorganismen.2 Die Orientierung im Boden erfolgt oft chemotaktisch hin zu Pflanzenwurzeln, wo der Pilz die Rhizosphäre kolonisiert und endophytische Beziehungen eingehen kann.7 In dieser Symbiose moduliert T. viride das Pflanzenwachstum aktiv durch die Produktion von Phytohormonen wie Indol-3-essigsäure (IAA).1 Zudem induziert der Pilz systemische Abwehrreaktionen in Pflanzen durch die Aktivierung von Jasmonatsäure- und Ethylen-Signalwegen, ohne selbst pathogen zu wirken.2 Die Reproduktionsbiologie wird durch Umweltreize gesteuert, wobei Licht und mechanische Stimuli die Bildung asexueller Sporen (Konidien) auslösen. Sexuelle Fortpflanzung ist selten und manifestiert sich im Teleomorph Hypocrea rufa, der auf zerfallendem Holz Stromata bildet.1

Lebensweise

Ökologie

Trichoderma viride ist ein kosmopolitischer Bodenpilz, der primär als Saprophyt in der Rhizosphäre, auf verrottendem Holz und in Pflanzenresten lebt, wo er durch den Abbau von Lignocellulose wesentlich zum Nährstoffkreislauf beiträgt. Als mesophiler Aerobier bevorzugt die Art neutrale bis leicht saure Böden (pH 5–7) und Temperaturen zwischen 20 °C und 30 °C, wobei extreme Trockenheit oder anaerobe Bedingungen durch Überflutung das Wachstum hemmen. In diesen Habitaten besetzt der Pilz eine ökologische Nische als effizienter Destruent, der mittels hydrolytischer Enzyme wie Cellulasen komplexe organische Substrate zersetzt und die Humusbildung fördert.1 Trichoderma viride kann zudem als Endophyt Pflanzenwurzeln besiedeln und das Wachstum durch die Produktion von Phytohormonen wie Indol-3-essigsäure (IAA) sowie durch die Solubilisierung von Phosphaten stimulieren. Im Wettbewerb um ökologische Nischen agiert der Pilz als opportunistischer Mykoparasit, der phytopathogene Pilze wie Fusarium, Rhizoctonia und Pythium durch direktes Umwickeln der Hyphen und enzymatische Zellwandauflösung unterdrückt. Zusätzlich verschafft sich die Art Konkurrenzvorteile durch die schnelle Besiedlung von Substraten (Nährstoffkompetition) und die Abgabe antimikrobieller Sekundärmetabolite wie Peptaibole, die das Wachstum von Wettbewerbern hemmen. Die Interaktion mit Pflanzenwurzeln induziert zudem systemische Resistenzmechanismen im Wirt, die über Signalwege wie Jasmonsäure und Ethylen vermittelt werden.2 Durch diese Aktivitäten moduliert Trichoderma viride die mikrobielle Gemeinschaftsstruktur im Boden, was oft zu einer erhöhten Diversität (Beta-Diversität) und komplexeren mikrobiellen Netzwerken führt.1 In der Pilzzucht tritt die Art hingegen als aggressiver Konkurrent auf und verursacht als Erreger der Grünschimmelkrankheit massive Ertragsverluste bei Kulturspeisepilzen wie Agaricus bisporus.5 Während der Artkomplex weltweit verbreitet ist, kommt die „echte“ Spezies Trichoderma viride (Anomorphe von Hypocrea rufa) vorwiegend in gemäßigten Klimazonen vor, während verwandte Arten wie T. asperellum wärmere Regionen dominieren.3

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet von Trichoderma viride gilt als kosmopolitisch, wobei die Art weltweit in gemäßigten und warmen Regionen anzutreffen ist.1 Molekularbiologische Untersuchungen differenzieren jedoch zunehmend zwischen dem "echten" T. viride (Anamorphe von Hypocrea rufa), der vorwiegend in gemäßigten Breiten vorkommt, und ähnlichen Stämmen wie T. asperellum in wärmeren Klimazonen.3 Das Typusmaterial der Art wurde ursprünglich in Deutschland gesammelt und 1794 beschrieben, was die historische Verankerung in Mitteleuropa belegt. In Europa sind Vorkommen unter anderem in Deutschland, Dänemark und Schweden dokumentiert.1 Global erstreckt sich die Verbreitung über Nordamerika, weite Teile Asiens (z. B. China, Indien, Japan) sowie den Südwestpazifik mit Australien und Neuseeland.1 Primärer Lebensraum des Pilzes sind Böden, wobei er besonders häufig in der Rhizosphäre zu finden ist und dort Wurzelzonen besiedelt.2 T. viride gedeiht auf zersetzendem organischen Material wie Totholz, Rinde und Waldstreu und bildet dort oft grünliche Beläge. Bevorzugt werden neutrale bis leicht saure Böden mit einem pH-Wert von 5 bis 7, die reich an organischer Substanz sind. Als mesophiler Organismus liegt das Temperaturoptimum für das Wachstum zwischen 25 °C und 30 °C.1 Neben natürlichen Waldhabitaten besiedelt der Pilz häufig landwirtschaftliche Nutzflächen, Gemüsegärten und Komposthaufen.2 In der Zucht von Speisepilzen wie Agaricus bisporus kann T. viride als gefürchteter Kontaminant ("Grünschimmel") auftreten und das Substrat überwuchern.5 Die Verbreitung erfolgt natürlich über windverfrachtete Konidien, wird aber auch anthropogen durch kontaminiertes Saatgut oder landwirtschaftliche Geräte begünstigt. Zudem besitzt der Pilz die Fähigkeit, als Endophyt im Inneren von Pflanzenwurzeln zu leben, ohne dabei Krankheitssymptome beim Wirt auszulösen.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    20.12.2025

  • Deutschland

    18.12.2025

  • Deutschland

    03.12.2025

  • Pätz, Rettungswache, 15741 Bestensee, Deutschland

    03.12.2025

  • Fürstenfeldbruck, Bayern, Germany

    01.12.2025

Daten: iNaturalist

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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Als mesophiler Organismus ist die physiologische Aktivität von Trichoderma viride stark temperaturabhängig, wobei das Wachstumsoptimum zwischen 22,5 und 30 °C liegt.12 Aufgrund dieser thermischen Präferenz konzentriert sich die Hauptaktivität in den gemäßigten Klimazonen, in denen der „echte“ T. viride (im Gegensatz zum wärmeliebenden T. asperellum) vorwiegend vorkommt, auf die wärmeren Monate des Jahres.31 Die vegetative Entwicklung wird durch ausreichende Feuchtigkeit und das Vorhandensein organischer Substrate begünstigt, während extreme Trockenheit oder anaerobe Bedingungen durch Staunässe den Stoffwechsel hemmen. Der Pilz zeichnet sich durch eine sehr schnelle Wachstumsrate aus und kann unter optimalen Bedingungen seinen asexuellen Lebenszyklus innerhalb von 2 bis 5 Tagen vollenden, was in der Natur eine rasche Generationenfolge ermöglicht. Die Sporulation, also die Bildung der asexuellen Konidien, wird dabei durch Umweltreize wie Licht und mechanische Stimuli ausgelöst.1 Eine sexuelle Fortpflanzung über das Teleomorph Hypocrea rufa ist selten und manifestiert sich durch die Bildung von orangefarbenen bis rotbraunen Stromata auf verrottendem Holz, ohne dass hierfür eine strikte Saisonalität jenseits der allgemeinen Wachstumsbedingungen dokumentiert ist.14 In der landwirtschaftlichen Anwendung als Biokontrollmittel ist die Wirksamkeit bei Bodentemperaturen zwischen 20 und 30 °C am höchsten, weshalb die Applikation oft auf die Vegetationsperiode abgestimmt wird.2 Daten zum öffentlichen Suchinteresse zeigen ergänzend einen relativen Höhepunkt im Juni, was mit der biologischen Aktivitätsphase in der nördlichen Hemisphäre korreliert.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Trichoderma viride gilt primär als bedeutender Nützling in der Landwirtschaft und Biotechnologie, tritt jedoch in der Speisepilzzucht als gefürchteter Schädling auf.2 Als Biofungizid unterdrückt der Pilz bodenbürtige Krankheitserreger wie Rhizoctonia solani, Pythium-Arten und Fusarium spp. durch Mykoparasitismus, Nährstoffkonkurrenz und Antibiose.28 Die Anwendung erfolgt präventiv mittels Saatgutbehandlung oder Bodenapplikation, wobei kommerzielle Formulierungen oft Sporenkonzentrationen von 10⁶–10⁸ KBE/g enthalten.1 Im Gegensatz dazu verursacht die Art als Erreger des „Grünen Schimmels“ massive Ernteverluste von bis zu 50 % in der Kultivierung von Champignons (Agaricus bisporus), indem sie Kompost und Deckerde aggressiv überwuchert.25 Ein Befall äußert sich durch schnell wachsende, zunächst weiße und später dunkelgrüne Myzelmatten, die oft einen charakteristischen kokosnussartigen Geruch verströmen.1 Medizinisch ist T. viride als seltener opportunistischer Erreger relevant, der bei immungeschwächten Patienten, etwa mit akuter myeloischer Leukämie, invasive Lungenentzündungen (Trichodermose) auslösen kann.2 Industriell wird der Pilz zur Produktion von Cellulasen für die Bioenergie sowie zur Bioremediation von pestizidbelasteten Böden und Schwermetallen wie Chrom genutzt.12 Ein präzises Monitoring zur Unterscheidung von kryptischen Arten erfolgt heute meist durch molekulare Methoden wie die Sequenzierung der ITS-Regionen, da rein morphologische Bestimmungen oft ungenau sind.1 Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) wird T. viride oft mit Fruchtwechsel kombiniert, um die Bodengesundheit ohne chemische Pestizide nachhaltig zu fördern.2 Die kommerzielle Zulassung als Pflanzenschutzmittel unterliegt strengen regulatorischen Hürden, wie der EU-Verordnung (EG) Nr. 1107/2009, die spezifische Sicherheitsnachweise fordert.2 Neuere Forschungsansätze nutzen Nanotechnologie zur Entwicklung von Silber-Nanopartikeln mit T. viride, um die Stabilität und antimikrobielle Wirksamkeit der Formulierungen zu verbessern.2

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung von Trichoderma viride liegt primär in seiner Anwendung als biologisches Pflanzenschutzmittel, wobei kommerzielle Formulierungen den Einsatz chemischer Pestizide reduzieren.2 In der Landwirtschaft zeigten kombinierte Saatgut- und Bodenbehandlungen bei Erdnusskulturen eine Bekämpfungsrate von bis zu 73 % gegen Wurzelfäule (Macrophomina phaseolina), was die Erträge signifikant steigerte.1 Auch im Tomatenanbau konnte der Befall durch die Umfallkrankheit (Damping-off) um 57 bis 68 % gesenkt werden, was die Überlebensrate der Setzlinge verbesserte.2 Industriell ist der Pilz eine wichtige Quelle für Cellulasen und Xylanasen, die in der Papierindustrie und zur Herstellung von Biokraftstoffen aus Lignocellulose benötigt werden. Optimierte Fermentationsverfahren erreichen dabei eine um bis zu 35,5 % höhere Cellulase-Aktivität, was die Verzuckerung von Substraten wie Zuckerrohrbagasse effizienter gestaltet.1 In der Lebensmitteltechnologie werden spezifische Stämme genutzt, um die Qualität von Schwarztee durch Stabilisierung der Polyphenole zu verbessern und die Verarbeitungszeit zu verkürzen.5 Als Futtermittelzusatz steigerte fermentiertes Substrat bei Masthähnchen die tägliche Gewichtszunahme um 8,6 % und die Futterverwertungseffizienz um 8,7 %.1 Demgegenüber verursacht T. viride als Kontaminant in der Speisepilzzucht (Agaricus bisporus) erhebliche wirtschaftliche Schäden durch die sogenannte Grünschimmelkrankheit. Infektionen in den Kultursubstraten führen durch kompetitive Verdrängung und Toxinbildung zu Ernteverlusten von bis zu 50 %.5 Zudem wird der Pilz zur Bioremediation eingesetzt, da er persistente Pestizide wie Malathion abbauen und Schwermetalle wie sechswertiges Chrom aus kontaminierten Böden entfernen kann.2

Wissenschaft

Wissenschaftliche Forschung & Patente

5 Patente
  • BiologischAnmeldungCN-112760234-A

    Flüssigkulturmedium für Trichoderma harzianum und Trichoderma viride sowie Herstellungsverfahren für ein mikrobielles Inokulum

    University of Jilin Agricultural · 2021

    Relevanz 7/10

    Zusammenfassung

    Die Erfindung betrifft ein kostengünstiges Flüssigkulturmedium basierend auf Pilzkleie (Mushroom Bran), Harnstoff und anorganischen Salzen. Es wird zur gemeinsamen Kultivierung von T. harzianum und T. viride genutzt. Der Vorteil liegt in der verkürzten Fermentationszeit und einer erhöhten Sporenausbeute durch Nutzung landwirtschaftlicher Nebenprodukte.

  • BiologischAnmeldungCN-112544742-A

    Verfahren zur Verbesserung der Qualität von Schwarztee durch den Pilz Trichoderma viride

    University of Puer · 2020

    Relevanz 7/10

    Zusammenfassung

    Dieses Patent nutzt den Trichoderma viride-Stamm PTri050102 im Produktionsprozess von Schwarztee. Durch die Zugabe wird das Verhältnis von Teepolyphenolen zu Thearubiginen kontrolliert, was die Qualität stabilisiert und verbessert. Zudem verkürzt das Verfahren die Verarbeitungszeit, was es für die Lebensmitteltechnologie interessant macht.

  • BiologischAnmeldungCN-111172187-A

    Effizientes genetisches Transformationsverfahren für Trichoderma viride

    Institute OF Industrial Crop Breeding And Cultivation Sichuan Academy OF Agricultural Sciences · 2020

    Relevanz 6/10

    Zusammenfassung

    Beschrieben wird eine Methode zur genetischen Transformation von Trichoderma viride mittels Agrobacterium tumefaciens. Das Verfahren umfasst die Aktivierung von Agrobakterien, die Herstellung einer Konidienlösung und die Co-Kultivierung. Dies ist relevant für die Forschung, um Genfunktionen zu analysieren und die Eigenschaften des Pilzes für den Pflanzenschutz gezielt zu verbessern.

  • BiologischUnbekanntCN-110408549-A

    Ein Trichoderma viride-Stamm und seine Anwendung zur Vorbeugung und Behandlung von Süßkartoffel-Weichfäule

    Shandong Taibao Biotech Company Ltd. · 2019

    Relevanz 8/10

    Zusammenfassung

    Ein spezifischer, aus Baumschulerde isolierter Stamm (CGMCC Nr. 2854) wird zur Bekämpfung der Süßkartoffel-Weichfäule eingesetzt. Feldversuche zeigen eine Kontrollwirksamkeit von über 50 %. Das Patent bietet eine biologische Lösung für ein spezifisches landwirtschaftliches Problem bei Knollengewächsen.

  • BiologischUnbekanntCN-109517744-A

    Verbundsporenpulver aus gemischter kooperativer Feststofffermentation von Trichoderma und dessen Anwendung

    University of Hainan · 2019

    Relevanz 8/10

    Zusammenfassung

    Beschrieben wird die Herstellung eines Verbundsporenpulvers durch gemischte Fermentation von T. viride, T. harzianum und T. asperellum. Diese Kombination hemmt schädliche Bodenbakterien effektiv und verbessert Salz-Alkali-Böden. Die Innovation liegt im synergistischen Effekt der drei Stämme zur Bodenverbesserung und Reduktion von Düngemitteln.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. sciencedirect.com/topics/agricultural-and-biological-sciences/trichoderma-viride
  2. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2886115/
  3. doi.org/10.1128/AEM.65.6.2418-2428.1999
  4. journals.asm.org/doi/10.1128/AEM.65.6.2418-2428.1999
  5. lamycosphere.com/en-int/blogs/the-future-is-fungi/trichoderma-ally-or-enemy-understand-its-role-in-myciculture-and-agriculture
  6. fri.wisc.edu/files/Briefs_File/2022-10-13_1815_antibiot.pdf
  7. frontiersin.org/journals/plant-science/articles/10.3389/fpls.2017.00102/full
  8. apsjournals.apsnet.org/doi/pdf/10.1094/PHYTO-96-0195
  9. Literaturzusammenfassung: Trichoderma viride