Lexikon-Eintrag

Baumwoll-/Tabak-Weisse Fliege Bemisia tabaci

Baumwoll-/Tabak-Weisse Fliege (Bemisia tabaci), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Schnabelkerfe (Hemiptera)
Familie
Aleyrodidae
Gattung
Bemisia
Art
Bemisia tabaci

Wissenschaftlicher Name Bemisia tabaci (Gennadius, 1889)

Überblick

Einleitung

Bemisia tabaci, im deutschen Sprachraum als Tabakmottenschildlaus oder Baumwollmottenschildlaus bekannt, gehört zur Familie der Mottenschildläuse (Aleyrodidae) innerhalb der Schnabelkerfe (Hemiptera). Die Art bildet einen Komplex aus mehreren genetisch unterscheidbaren kryptischen Arten und gilt weltweit als einer der ökonomisch bedeutsamsten landwirtschaftlichen Schädlinge. Im Gegensatz zu im Freiland länger etablierten Arten wie der Gewächshausmottenschildlaus tritt sie in Mitteleuropa vor allem in Gewächshäusern als bedeutender Schädling an Kultur- und Zierpflanzen auf.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Artbestimmung von Bemisia tabaci erfolgt überwiegend anhand der Merkmale des letzten Nymphenstadiums, da adulte Exemplare morphologisch äußerst ähnlich sind.
  • Oberhalb der roten Komplexaugen besitzt die Art jeweils ein einzelnes Punktauge (Ocellus).
  • Die Antennen sind siebengliedrig aufgebaut und bestehen aus zwei massiven Grundgliedern (Scapus und Pedicellus) sowie einer dünnen, fünfgliedrigen Fühlergeißel.
  • Die in das Labium eingeschlossenen Stechborsten erreichen eine Länge von etwa 217 µm.
  • Im stark reduzierten Aderungssystem der Flügel ist im Vorderflügel neben einer verstärkten Randader nur eine weitere Längsader (Radius) ausgebildet, während die Hinterflügel lediglich eine einzige Ader aufweisen.
  • Beim Laufen berühren ausschließlich die Prätarsen das Substrat, während die Tarsenglieder nicht aufgesetzt werden.
  • Der Hinterleib umfasst neun deutliche sowie ein stark reduziertes zehntes Segment, wobei der orthopteroide Ovipositor der Weibchen in Ruhestellung am Hinterleibsende nach oben zeigt.
  • Zur Paarung besitzen Männchen einen Penis mit zwei zangenartigen Parameren am ventralen neunten Hinterleibssegment, womit das Weibchen am Ovipositor festgehalten wird.
  • Wachsplatten auf der Ventralseite des Hinterleibs produzieren Wachs, das mithilfe der Schienen der Hinterbeine über den Körper verteilt wird, wobei Weibchen über zwei und Männchen über vier Paare dieser Drüsenorgane verfügen.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Adulte Bemisia tabaci erreichen eine Körperlänge von 1 bis 1,3 mm und besitzen einen gelblichen Körper mit roten Komplexaugen sowie hyalinen Flügeln, die durch Wachsausscheidungen weißlich wirken. Die Komplexaugen sind in zwei fast getrennte Abschnitte unterteilt, die durch ein einzelnes Ommatidium verbunden sind. Die Antennen sind siebengliedrig aufgebaut, wobei das dritte Segment etwa so lang ist wie die Segmente vier bis sieben zusammen. Am Thorax tragen sie stabförmige Beine mit zweigliedrigen Tarsen und einem Haftpolster, wobei Metatibialkämme aus 16 bis 19 Setae bestehen. Die Vorderflügel sind deutlich größer als die Hinterflügel, wobei die Aderung stark reduziert ist. Das Abdomen weist bei den Weibchen einen orthopteroiden Ovipositor auf, während Männchen zangenartige Paramere und einen aufwärts gebogenen Aedeagus besitzen. Eier sind elliptisch, gestielt, 172 bis 220 µm lang und werden stehend an Wirtspflanzen abgelegt. Nach dem Schlupf durchläuft die Art vier Nymphenstadien, wobei das erste Stadium als beweglicher „crawler“ (Länge 228 bis 280 µm) aktiv ist und spätere Stadien unbeweglich und scheibenförmig auf der Blattunterseite sitzen. Das vierte Nymphenstadium bildet ein Pupparium aus, welches für die Artdiagnose essenziell ist. Das dorsale vasiform orifice ist bei der Gattung Bemisia dreieckig geformt und besitzt ein Operculum, welches die Lingula nur zur Hälfte bedeckt. Zur Abgrenzung von der europäischen Art Bemisia afer dient insbesondere die Lage des vasiform orifice nahe dem Hinterrand sowie die Länge der kaudalen Borsten.1

Porträt

Beschreibung

Die Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci) ist ein weltweit verschleppter, hochgradig polyphager Schädling aus der Familie der Mottenschildläuse, der als kryptischer Artenkomplex auftritt. Adulte Exemplare erreichen eine Körperlänge von 1 bis 1,3 mm und sind gelblich gefärbt. Ihre hyalinen Flügel wirken durch einen Überzug aus Wachsausscheidungen im lebenden Zustand weißlich. Die roten Komplexaugen sind bei der Art in zwei fast getrennte Abschnitte aufgeteilt, die lediglich durch ein einziges Ommatidium miteinander verbunden sind. Oberhalb der Komplexaugen befindet sich jeweils ein Punktauge (Ocellus). Die Antennen sind siebengliedrig aufgebaut und besitzen zwei massive Grundglieder sowie eine dünne, fünfgliedrige Fühlergeißel. Die Stechborsten der Imagines weisen eine Länge von etwa 217 µm auf und sind in Ruhestellung in das Labium eingeschlossen. Am Hinterleib besitzen die Weibchen zwei Paare und die Männchen vier Paare von Wachsplatten. Die Eiablage erfolgt einzeln oder in Gruppen, wobei die ellipsoiden Eier eine Länge von 172 bis 220 µm und eine Breite von 96 bis 156 µm aufweisen. Jedes Ei ist über einen 28 bis 42 µm langen Stiel im Pflanzengewebe verankert und enthält ein gelbes Bakteriom mit symbiontischen Bakterien. Nach dem Schlupf durchläuft die Art vier Nymphenstadien, wobei das erste Stadium als mobiles „crawler“-Stadium über die Blattoberfläche wandert. Die „crawler“ besitzen eine ovoid-längliche Form mit einer Länge von 228 bis 280 µm und sind mit gut ausgebildeten, viersegmentigen Beinen ausgestattet. Alle späteren Nymphenstadien sind völlig unbewegliche, ovale und scheibenförmige Organismen ohne sichtbare Körperanhänge. Das dritte Nymphenstadium weist eine Körperlänge von 404 bis 568 µm auf. Das vierte Nymphenstadium geht schleißlich in ein reines Ruhestadium über, das oft als Puparium bezeichnet wird. Die Artbestimmung stützt sich im Wesentlichen auf die morphologischen Merkmale dieses letzten Nymphenstadiums, insbesondere auf die Form des vasiformen Ororifice und die Chaetotaxie. Im Gegensatz zu den gleichmäßig gelben Imagines variiert die Färbung der Nymphen von durchscheinend bis zu tiefem Gelb. Aufgrund ihrer morphologischen Ähnlichkeit innerhalb des Artkomplexes und stark aggregierter Populationen ist eine Bestimmung adulter Tiere anhand äußerer Merkmale kaum möglich.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Tabakmottenschildlaus Bemisia tabaci (Gennadius, 1889) gehört zur Familie der Mottenschildläuse innerhalb der Schnabelkerfe (Hemiptera).12 Im Zuge taxonomischer Revisionen wurde die früher als eigenständige Art geführte Bemisia argentifolii Bellows & Perring, 1994 nach neueren Erkenntnissen als Synonym zu Bemisia tabaci eingestuft. Neben dem wissenschaftlichen Namen ist die Art im deutschen Sprachraum als Tabakmottenschildlaus, Baumwollmottenschildlaus, Batatenmottenschildlaus oder pauschal als „Weiße Fliege“ bekannt. International wird die Art im Englischen meist als sweetpotato whitefly oder silverleaf whitefly bezeichnet. Die Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1889 durch Gennadius anhand von Tieren aus Griechenland. Morphologisch schwer unterscheidbare Linien oder kryptische Arten innerhalb des Komplexes führten historisch zu Bezeichnungen wie Biotypen oder Stämmen, darunter bekannte Linien wie Biotyp B (MEAM1) und Biotyp Q (MED). Belastbare historische Details zur Etymologie des Gattungs- oder Artnamens fehlen in den vorliegenden Primärquellen weitgehend.1 Die Art wird heute weltweit verschleppt und tritt in künftigen gemäßigten Regionen überwiegend unter Glas in Gewächshäusern auf.12

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzungsbiologie von Bemisia tabaci ist durch eine sexuelle Reproduktion und eine präzise Eiablage im Pflanzengewebe gekennzeichnet, wobei Weibchen gestielte Eier vorwiegend auf der Unterseite von Blättern ablegen. Die ellipsoiden Eier weisen eine Länge von 172-220 μm und eine Breite von 96-156 μm auf, während der verankernde Stiel eine Länge von 28-42 μm besitzt. Bei der Eiablage versenkt das Weibchen den Stiel in die Epidermis der Wirtspflanze, wodurch das Ei Wasser aufnimmt und vor dem Vertrocknen geschützt wird. Jedes Ei enthält ein sogenanntes Bakteriom mit essentiellen symbiontischen Bakterien für die zukünftige Ernährung. Nach dem Schlupf durchläuft Bemisia tabaci vier Nymphenstadien, wobei das erste Stadium als beweglicher „crawler“ (228-280 μm Länge) eine geeignete Futterstelle sucht. Das erste Nymphenstadium legt meist eine Strecke von weniger als 10 mm zurück, bevor es seine Stechborsten fixiert und unbeweglich wird. Die folgenden drei Nymphenstadien sind flache, scheibenförmige und unbewegliche Organismen, die sich über Häutungen vergrößern. Das vierte Nymphenstadium geht in ein reines Ruhestadium über, welches funktionell einem Puppenstadium gleicht und morphologische Merkmale wie das dreieckige „vasiform orifice“ zur Artbestimmung aufweist. Adulte Imagines schlüpfen aus diesem Puparium und erreichen eine Körperlänge von 1 bis 1,3 mm mit gelblichem Körper und weißlich bepuderten, hyalinen Flügeln.1 Sowohl die unbeweglichen Nymphen als auch die adulten Imagines ernähren sich phytophag durch das Anstechen von Pflanzengewebe und saugen Phloemsaft mittels spezialisierter Stechborsten.12 Bemisia tabaci gilt als extrem polyphage Art mit einem breiten Spektrum an Angiospermen als Wirtspflanzen.2 Als Nebenprodukt der phloembasierten Ernährung scheiden die Tiere klebrigen Honigtau aus, der das Wachstum von Rußpilzen begünstigt.1 Belastbare physiologische Daten zu spezifischen Diapause-Mechanismen oder genauen Generationsdauern fehlen in den Primärquellen weitgehend, jedoch ist die Art in kühleren Regionen an geschützte Lebensräume wie Gewächshäuser gebunden.12 Zu den natürlichen Gegenspielern gehören spezialisierte Parasitoide wie die Erzwespe Encarsia formosa, deren Larven sich als Parasitoide in den Nymphen entwickeln und deren Imagines sich zudem räuberisch von den Wichten ernähren.1

Lebensweise

Verhalten

Die Populationen von Bemisia tabaci weisen ein stark aggregiertes Verhalten auf, wobei es auch innerhalb einer einzelnen Wirtspflanze zu massiven Ansammlungen kommt.1 Das Eiablagemuster variiert stark in Abhängigkeit von der Blatttopographie und der lokalen Populationsdichte. Auf behaarten Blättern wie bei Euphorbia pulcherrima werden Eier verstreut oder in kleinen Gruppen auf der Blattunterseite abgelegt. Im Gegensatz dazu erfolgt die Oviposition auf glatten Blättern wie Ficus benjamina in präzisen, teilweisen oder vollständigen Kreisen.2 Nach dem Schlupf zeigt das erste Nymphenstadium ein kurzes, aktives Laufverhalten als sogenannte „crawler“ auf der Blattoberfläche.12 Diese mobilen Larven wandern typischerweise bis zu 10 mm von der abgelegten Eistelle weg, um eine geeignete Nahrungsquelle zu finden.2 Sobald eine günstige Stelle erreicht ist, verankern sie ihre Stechborsten fest im Pflanzengewebe und gehen in ein dauerhaft unbewegliches Stadium über.12 Die anschließende Entwicklung umfasst vier Nymphenstadien, von denen die späteren vollständig sesshaft sind. Zur Ausscheidung von Honigtau nutzen die Nymphen eine spezielle zungenförmige Struktur, die Lingula, mit der der Honigtau fortgeschleudert wird, um eine Verunreinigung des eigenen Körpers zu verhindern. Adulte Exemplare besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge, mit denen sie das Pflanzengewebe anstechen und direkt Saugschäden verursachen.1

Lebensweise

Ökologie

Bemisia tabaci ist eine hochgradig polyphage Art, die weltweit an zahlreichen Angiospermen parasitiert. Die ökologische Nische umfasst im Freiland wärmere Regionen sowie weltweit Gewächshäuser als geschützte Habitate in kührereren Zonen. Als phytophagenes Insekt ernährt sich die Art von Pflanzensaft, den sie mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen aufnimmt. Dabei zeigt die Art starke Aggregationen sowohl auf Populationsebene als auch innerhalb einzelner Wirtspflanzen. Die Eiablagemuster variieren je nach Blattotopographie; so werden Eier auf behaarten Blättern zerstreut oder in Gruppen abgelegt, während auf glatten Blättern kreisförmige Muster entstehen. Das erste Nymphenstadium ist kurzzeitig als aktiver „crawler“ mobil, während die nachfolgenden drei Nymphenstadien fest sitzend auf der Pflanze verbleiben. Für die Nahrungsaufnahme und Entwicklung ist die Art auf symbiontische Bakterien angewiesen, die in einem spezialisierten Bakteriom an die Nachkommen weitergegeben werden. Als natürlicher Gegenspieler und Parasitoid fungiert unter anderem die Erzwespe Encarsia formosa, deren Imagines sich zudem räuberisch von den Nymphen ernähren. Belastbare quantitative Daten zu weiteren Antagonisten oder Konkurrenzbeziehungen im natürlichen Ökosystem fehlen in den aktuellen Quellen.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci) besitzt ein natürliches Verbreitungsgebiet, das in den temperierten und tropischen Regionen Asiens, Nordafrikas sowie des Nahen Ostens und Südeuropas verortet wird. Heute ist die Art weltweit kosmopolitisch verschleppt. In kühleren, gemäßigten Klimazonen tritt sie jedoch ausschließlich unter geschützten Bedingungen auf. Zu diesen Habitaten gehören primär Ackerland, Markt- und Handelsgärten sowie insbesondere Gewächshäuser. In Mitteleuropa kann sich die Art im Freiland nicht dauerhaft etablieren, weshalb sie dort vor allem seit den 1980er Jahren als bedeutender Schädling in Gewächshaus-Kulturen in Erscheinung tritt. Dort besiedelt sie ein breites Spektrum an Wirtspflanzen, darunter Gemüse wie Tomaten, Paprika und Gurken sowie diverse Zierpflanzen wie den Weihnachtsstern, Hibiskus, Begonien und Pelargonien. Belastbare Daten zur genauen Vertikalverbreitung in Höhenstufen liegen für Bemisia tabaci nicht vor. Durch den weltweiten Handel mit Zier- und Nutzpflanzen wurde die Art kontinuierlich verschleppt und bildet in geschlossenen Anbausystemen hochgradig aggregierte Populationen aus.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    29.05.2025

  • Ludwigsburg, Germany

    19.01.2023

  • Rettenbach, 94469 Deggendorf, Deutschland

    19.06.2022

Daten: iNaturalist

Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Bemisia tabaci tritt in Mitteleuropa im Freiland nicht regelmäßig auf, ist jedoch ein bedeutender Schädling in Gewächshaus-Kulturen. Unter den Bedingungen geschützter Anbausysteme ist die Art ganzjährig aktiv, wobei sie insbesondere unter hohen Temperaturen erhebliche Schäden auslöst.1 Im Jahresverlauf zeigt das öffentliche Suchinteresse Maxima im Januar sowie im August, was auf eine Aktivität sowohl in winterlichen Gewächshäusern als auch während der sommerlichen Freiland- und Gewächshausphase hinweist. Adulte Tiere und alle Entwicklungsstadien sind bei entsprechenden Temperaturen kontinuierlich in Kulturen wie Tomaten, Paprika, Gurken und Zierpflanzen zu finden. Belastbare Daten zu spezifischen Generationenfolgen oder genauen Schwarmflugzeiten im mitteleuropäischen Freiland fehlen aufgrund des überwiegenden Vorkommens unter Cover.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci) ist weltweit einer der ökonomisch bedeutsamsten landwirtschaftlichen Schädlinge. Sie verursacht gravierende direkte Saugschäden an Kulturpflanzen und schwächt diese nachhaltig. Zusätzlich führt die Sekretion von Honigtau zu einer massiven Verschmutzung der Ernteprodukte, auf denen Rußpilze gedeihen und die Vermarktungsfähigkeit mindern. Besonders folgenschwer ist ihre Eigenschaft als Vektor für zahlreiche Pflanzenviren, wodurch sie Ernteausfälle im globalen Pflanzenbau bedingt. In Mitteleuropa tritt die Art vor allem in Gewächshäusern an Gemüse- und Zierpflanzen wie Tomaten, Gurken und Weihnachtssternen auf. Unter hohen Temperaturen kann sie dort deutlich größere Schäden verursachen als einheimische Arten wie die Gewächshausmottenschildlaus. Der Befall an Zierpflanzen führt bereits bei geringer Dichte zu einer starken optischen Entwertung. Die chemische Bekämpfung gestaltet sich äußerst schwierig, da vor allem die immobilen Nymphenstadien durch Wachsausscheidungen geschützt sind. Zudem haben Populationen Resistenzen gegen zahlreiche Insektizidwirkstoffe wie Organophosphate, Endosulfan und Pyrethroide entwickelt. Als biologische Maßnahme wird der Einsatz der spezialisierten Erzwespe Encarsia formosa zur Parasitierung der Nymphen im Gewächshaus genutzt. Belastbare Daten zu weiteren spezifischen physikalischen oder flächendeckenden baulichen Präventionsmaßnahmen fehlen in der aktuellen Literatur.1

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Bemisia tabaci gehört weltweit zu den ökonomisch bedeutsamsten landwirtschaftlichen Schädlingen. Neben direkten Saugschäden verursachen die Tiere erhebliche Verluste durch die Sekretion von Honigtau und darauf wachsenden Rußpilzen, wodurch Ernteprodukte stark verschmutzt und optisch entwertet werden. Zudem fungiert die Art als Vektor für zahlreiche Pflanzenviren, wobei rund zehn Prozent aller pathogenen Viren an Kulturpflanzen nachweisbar durch sie übertragen werden. Besonders stark betroffen sind Maniok und Süßkartoffeln, was vor allem für arme Kleinbauern in tropischen Klimaten existenzbedrohend sein kann. In Gewächshäusern weltweit sind insbesondere Viruserkrankungen wie das lettuce infections yellows virus, das tomato yellow leaf curl geminivirus und das squash leaf curl geminivirus von großer Bedeutung. In Mitteleuropa tritt die Art seit den 1980er Jahren als einer der wichtigsten Schädlinge im geschützten Anbau auf. Dort befällt sie Tomaten, Paprika, Gurken sowie zahlreiche Zierpflanzen wie den Weihnachtsstern, Hibiskus, Begonien und Pelargonien. Ökonomisch gravierend sind vor allem die Schäden an Zierpflanzen, da bereits geringer Befall die Pflanzen verunstaltet und wirtschaftlich entwertet. Die chemische Bekämpfung gestaltet sich äußerst schwierig, da die unbeweglichen Nymphenstadien durch Pflanzenschutzmittel kaum erreichbar sind und zudem Resistenzen gegen zahlreiche Wirkstoffklassen wie Organophosphate, Endosulfan und Pyrethroide entwickelt wurden. Als alternative Bekämpfungsmaßnahme wird der Einsatz des Parasitoiden Encarsia formosa genutzt, dessen Wirkung bei Bemisia tabaci jedoch geringer ist als bei anderen Mottenschildlausarten.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Tabakmottenschildlaus
  2. gbif.org/species/2012126