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Kräuselkrankheit an Pfirsich & Nektarine vorbeugen

Die Kräuselkrankheit macht die jungen Blätter von Pfirsich und Nektarine blasig und rot – sobald sie sichtbar ist, hilft keine Behandlung mehr, du kannst den Baum aber unterstützen und fürs nächste Jahr vorbeugen. Wie du sie von Blattläusen unterscheidest und was wann hilft, zeigt dir die Schnellwahl.

Ratgeber Kräuselkrankheit

Kräuselkrankheit an Pfirsich und Nektarine: Was wirklich hilft

Blasig aufgewölbte, verdickte und rötlich verfärbte Blätter kurz nach dem Austrieb sind das typische Zeichen der Kräuselkrankheit. Ausgelöst wird sie von einem Pilz, der schon beim Knospenschwellen im Spätwinter infiziert – sind die Blätter erst gekräuselt, kommt jede Behandlung zu spät. Hier erfährst du, wie du sie von Blattläusen unterscheidest, was vorbeugend wirkt und was du jetzt noch tun kannst.

Schnellwahl: Was ist deine Situation?

Blätter blasig, verdickt, rot oder gelblich verfärbt

Kräuselkrankheit: jetzt Schaden begrenzen

So zeigt sich die Kräuselkrankheit kurz nach dem Austrieb. Spritzen hilft jetzt nicht mehr, denn die Infektion ist schon Wochen vorher passiert. Pflück befallene Blätter und Triebspitzen ab, möglichst bevor sich darauf ein weißlicher Belag bildet – das ist die neue Sporenschicht. Der Baum treibt danach gesunde Blätter nach; hilf ihm mit Wasser bei Trockenheit und einer maßvollen Düngung.

Eingerollte Blätter mit Läusen oder klebrigem Belag

Meist Blattläuse, keine Kräuselkrankheit

Rollen sich Blätter an Pfirsich, Apfel, Kirsche oder Pflaume ein und findest du auf der Unterseite Läuse, Häutungsreste oder klebrigen Honigtau, sind Blattläuse die Ursache. Rote, blasige Aufwölbungen an Johannisbeeren stammen meist von der Johannisbeerblasenlaus. Anders als die Kräuselkrankheit kannst du Blattläuse auch während der Saison noch bekämpfen – mehr dazu in der Kollektion Blattläuse.

Spätwinter: Die Knospen schwellen an

Jetzt entscheidet sich das Jahr

Die Sporen des Pilzes überwintern auf Rinde und Knospenschuppen. Sobald die Knospen schwellen und es regnet, infizieren sie die jungen Blätter noch in der Knospe – oft schon im Februar oder März. Halte die Knospen in dieser Zeit trocken. Ab dem Knospenaufbruch kannst du zusätzlich einen Grundstoff einsetzen, der für Pfirsich gegen die Kräuselkrankheit genehmigt ist; er wirkt nur vorbeugend.

Pfirsich am Spalier, an der Hauswand oder im Kübel

Regenschutz ist die beste Vorbeugung

Die Sporen brauchen Wasser, um zu keimen. Ein Vordach, ein breiter Dachüberstand oder eine oben geschlossene Folienhaube hält die Knospen vom Knospenschwellen bis zur vollen Blattentfaltung trocken und verhindert so die meisten Infektionen. Lass die Seiten offen, damit Luft zirkuliert und sich keine Wärme staut. Kübelpfirsiche stellst du in dieser Zeit regengeschützt auf.

Neupflanzung geplant

Wenig anfällige Sorten wählen

Pfirsich- und Nektarinensorten unterscheiden sich deutlich in ihrer Anfälligkeit. Sorten wie ‚Revita‘ oder ‚Benedicte‘ gelten als wenig anfällig für die Kräuselkrankheit; frag in der Baumschule nach weiteren geprüften Sorten für deine Region. Das erspart dir in vielen Jahren Arbeit.

Hausmittel und selbst angesetzte Brühen

Wirkung nicht belegt

Selbst angesetzte Knoblauch- oder Kräuterbrühen sind gegen die Kräuselkrankheit nicht genehmigt, und ihre Wirkung ist nicht belegt. Kupfer gehört nicht in selbst gemischte Spritzbrühen, denn es reichert sich im Boden an. Verlass dich auf Regenschutz, Sortenwahl und – wenn du sprühen willst – auf ein genehmigtes Mittel zum richtigen Zeitpunkt.

Alle Maßnahmen im Vergleich

Gegen die Kräuselkrankheit hilft nur Vorbeugung. Entscheidend ist, was im Spätwinter rund um das Knospenschwellen passiert.

MaßnahmeSo wirkt esWann sinnvollDarauf achten
Regenschutz Hält die Knospen trocken – ohne Wasser können die Sporen nicht keimen. Vom Knospenschwellen bis zur vollen Blattentfaltung Seiten offen lassen, damit Luft zirkuliert. Am einfachsten an Spalier, Hauswand oder bei Kübelpflanzen.
Wenig anfällige Sorten Werden deutlich seltener und schwächer befallen. Bei Neupflanzung In sehr feuchten Frühjahren können auch sie Befall zeigen, meist schwächer.
Befallene Blätter entfernen Verringert die Zahl der Sporen, die auf Rinde und Knospen überwintern. Sobald gekräuselte Blätter sichtbar sind, möglichst vor dem weißlichen Belag Macht befallene Blätter nicht wieder gesund, der Baum treibt aber gesunde Blätter nach. Über den Restmüll entsorgen.
Grundstoff Schachtelhalm Genehmigter Grundstoff zur Vorbeugung gegen pilzliche Schaderreger, bei Pfirsich auch gegen die Kräuselkrankheit. Laut Etikett 2- bis 6-mal im Abstand von 7 Tagen, vom Knospenaufbruch bis zum Ende der Blüte Wirkt nur vorbeugend, nicht mehr auf gekräuselte Blätter, und ersetzt den Regenschutz nicht. Grundstoffe sind keine Pflanzenschutzmittel.
Zugelassene Fungizide Schützen die Knospen vor der Infektion und wirken nur vorbeugend. Zum Knospenschwellen, bevor die Knospen aufbrechen Nur Mittel einsetzen, die im Haus- und Kleingarten für Pfirsich gegen die Kräuselkrankheit zugelassen sind. Wir führen derzeit keines.
Spritzen nach dem Austrieb Erreicht die Infektion nicht mehr, die schon in den Blättern sitzt. Nicht empfohlen Ist das Blatt gekräuselt, hilft keine Behandlung mehr. Konzentrier dich auf Pflege und Vorbeugung fürs nächste Jahr.

So entsteht die Kräuselkrankheit

Pfirsichzweig mit blasig aufgewölbten, rot und gelblich verfärbten Blättern der Kräuselkrankheit, teils mit weißlichem Belag, daneben gesunde grüne Blätter und rosa Blüten
Pfirsichzweig mit blasig aufgewölbten, rot und gelblich verfärbten Blättern der Kräuselkrankheit, teils mit weißlichem Belag, daneben gesunde grüne Blätter und rosa Blüten

Auslöser ist der Schlauchpilz Taphrina deformans. Er befällt fast nur Pfirsich, Nektarine und Mandel und braucht für die Infektion nasse Knospen zur richtigen Zeit.

  • Überwinterung auf der Rinde: Die Sporen überdauern den Winter auf Rinde und Zweigen und zwischen den Knospenschuppen.
  • Infektion beim Knospenschwellen: Bei Regen werden die Sporen in die schwellenden Knospen gespült und infizieren die jungen Blätter, solange sie noch eingerollt sind. Feucht-kühles Wetter verlängert diese gefährliche Phase.
  • Symptome erst Wochen später: Nach dem Austrieb werden die Blätter blasig, verdickt und rot oder gelblich. Auch junge Triebe und Früchte können sich verformen.
  • Neue Sporen im Frühsommer: Auf den kranken Blättern bildet sich ein weißlicher Belag aus Sporenschläuchen. Die Sporen gelangen auf Rinde und Knospen und sorgen für die Infektion im nächsten Jahr. Die befallenen Blätter fallen meist im Frühsommer ab.
  • Folgen für den Baum: Ein Befall kostet den Baum Kraft und oft einen Teil der Ernte. Tritt die Krankheit mehrere Jahre hintereinander stark auf, wird er deutlich geschwächt.

Daraus folgt: Gegen die Kräuselkrankheit hilft nur Vorbeugung – entscheidend sind trockene Knospen im Spätwinter.

Kräuselkrankheit oder etwas anderes?

Gekräuselte Blätter haben verschiedene Ursachen. So unterscheidest du die häufigsten.

Kräuselkrankheit

Taphrina deformans

Wann
Kurz nach dem Austrieb im Frühjahr
Schadbild
Blätter blasig aufgewölbt, verdickt, gelblich bis leuchtend rot, später weißlicher Belag; keine Läuse
Häufig an
Pfirsich, Nektarine, Mandel

Was tun? Befallene Blätter entfernen, im nächsten Spätwinter vorbeugen.

Steckbrief im Lexikon →

Blattläuse

z. B. Grüne Pfirsichblattlaus, Mehlige Apfelblattlaus

Wann
Frühjahr bis Sommer
Schadbild
Blätter eingerollt, auf der Unterseite Läuse, Häutungsreste und klebriger Honigtau
Häufig an
Pfirsich, Apfel, Kirsche, Pflaume, Johannisbeere und viele Zierpflanzen

Was tun? Blattunterseite prüfen. Mittel und Nützlinge findest du in der Kollektion Blattläuse.

Narren- oder Taschenkrankheit

Taphrina pruni

Wann
Frühjahr bis Frühsommer
Schadbild
Früchte länglich-flach verformt, innen hohl statt mit Kern, später mit weißlichem Belag
Häufig an
Zwetschge und Pflaume, vor allem ‚Hauszwetschge‘

Was tun? Befallene Früchte früh entfernen, Krone durch Schnitt luftig halten.

In 5 Schritten gegen die Kräuselkrankheit

  1. Schritt 1: Ursache klären

    Sitzen Läuse auf der Blattunterseite, sind es Blattläuse. Sind die Blätter blasig verdickt und rötlich ohne Läuse, ist es die Kräuselkrankheit.

  2. Schritt 2: Befallene Blätter entfernen

    Pflück gekräuselte Blätter und Triebspitzen ab, bevor sich der weißliche Sporenbelag bildet, und entsorge sie über den Restmüll.

  3. Schritt 3: Den Baum unterstützen

    Gieß bei Trockenheit und dünge maßvoll, damit der Baum kräftig gesunde Blätter nachtreibt.

  4. Schritt 4: Im Spätwinter vorbeugen

    Halte die Knospen vom Knospenschwellen bis zur vollen Blattentfaltung trocken – mit Vordach, Folienhaube oder einem regengeschützten Standort.

  5. Schritt 5: Zum richtigen Zeitpunkt behandeln

    Setz ein für Pfirsich gegen die Kräuselkrankheit genehmigtes Mittel nur vorbeugend und nach Etikett ein. Bei Neupflanzungen wählst du wenig anfällige Sorten.

Merksätze

  • Ist das Blatt gekräuselt, kommt jede Behandlung zu spät.
  • Die Infektion passiert beim Knospenschwellen im Spätwinter, oft schon im Februar oder März.
  • Trockene Knospen sind der beste Schutz: Regendach statt Spritzmittel.
  • Eingerollte Blätter mit Läusen sind Blattläuse, keine Kräuselkrankheit.
  • Der Baum treibt nach dem Befall gesunde Blätter nach – unterstütze ihn mit Wasser und maßvoller Düngung.

Häufige Fragen zur Kräuselkrankheit

Woran erkenne ich die Kräuselkrankheit?

Kurz nach dem Austrieb werden die jungen Blätter von Pfirsich und Nektarine blasig aufgewölbt, verdickt und gelblich bis leuchtend rot. Später bildet sich darauf ein weißlicher Belag, und die Blätter fallen ab. Anders als bei Blattläusen findest du auf der Unterseite keine Läuse und keinen klebrigen Honigtau.

Kann ich gekräuselte Blätter noch behandeln?

Nein. Die Infektion ist schon beim Knospenschwellen im Spätwinter passiert, und kein Mittel macht verformte Blätter wieder gesund. Entferne befallene Blätter, versorg den Baum mit Wasser und maßvoll mit Nährstoffen und beuge im nächsten Spätwinter vor.

Wann muss ich gegen die Kräuselkrankheit spritzen?

Wenn überhaupt, dann vorbeugend: Zugelassene Fungizide werden zum Knospenschwellen eingesetzt, bevor die Knospen aufbrechen. Der Grundstoff Schachtelhalm ist laut Etikett ab dem Knospenaufbruch bis zum Ende der Blüte mehrmals im Abstand von 7 Tagen vorgesehen. Wichtiger als jedes Mittel ist, die Knospen in dieser Zeit trocken zu halten.

Hilft ein Regendach wirklich?

Ja, im Hausgarten ist es die wirksamste Vorbeugung. Die Sporen brauchen Wasser auf den Knospen, um zu keimen. Bleiben die Knospen vom Knospenschwellen bis zur vollen Blattentfaltung trocken, kommt es kaum zu Infektionen. Lass die Seiten offen, damit Luft zirkuliert.

Stirbt mein Pfirsichbaum an der Kräuselkrankheit?

Meist nicht. Der Baum verliert die befallenen Blätter und treibt gesunde nach, die Ernte fällt aber oft geringer aus. Tritt die Krankheit mehrere Jahre hintereinander stark auf, wird der Baum geschwächt – dann lohnt sich konsequente Vorbeugung besonders.

Warum kräuseln sich die Blätter an meinem Apfel- oder Pflaumenbaum?

Die Kräuselkrankheit befällt fast nur Pfirsich, Nektarine und Mandel. Gekräuselte oder eingerollte Blätter an Apfel, Pflaume, Kirsche oder Johannisbeere stammen meist von Blattläusen – schau auf die Blattunterseite. An Zwetschgen und Pflaumen gibt es außerdem die Narren- oder Taschenkrankheit, die die Früchte verformt.

Pflanzenschutzmittel und Grundstoffe vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformation lesen.

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