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Lexikon-Eintrag

Braune Holzameise Lasius brunneus

Braune Holzameise

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Hautflügler (Hymenoptera)
Familie
Formicidae
Gattung
Lasius
Art
Lasius brunneus

Wissenschaftlicher Name Lasius brunneus (Latreille, 1798)

Überblick

Einleitung

Die Braune Wegameise (*Lasius brunneus*), auch als Braune Holzameise bezeichnet, ist eine baumbewohnende Ameisenart aus der Unterfamilie der Schuppenameisen (Formicinae) innerhalb der Gattung der Wegameisen (*Lasius*). Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile Europas und Asiens bis in den Himalaya, wobei sie bevorzugt lichte Laubwälder besiedelt und sich trophobiotisch von Honigtau ernährt.[1] In Mitteleuropa gehört sie zu den häufigsten holzbewohnenden Ameisenarten und ist in Deutschland die am häufigsten als Schädling in Gebäuden gemeldete Wegameise, da sie feuchtes Holz sowie Dämmstoffe beschädigt.[1][2][3] Morphologisch besteht eine Verwechslungsmöglichkeit mit der schlanker gebauten Zweifarbigen Hausameise (*Lasius emarginatus*).[1]

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

- **Verwechslungsdiagnose**: Eine Verwechslung ist mit der Zweifarbigen Hausameise (*Lasius emarginatus*) möglich, welche sich jedoch durch einen schlankeren Körperbau von *Lasius brunneus* unterscheidet.[1] - **Nestverlagerung**: Sobald der Platz in den Baumkronen oder oberen Stammbereichen nicht mehr ausreicht, wandern reife Kolonien mit zunehmender Individuenzahl in Richtung des Bodens ab, um dort ein weit verzweigtes, über viele Jahre stabiles Kammersystem zu etablieren. - **Verdeckte Fortbewegung**: Um unbemerkt zu bleiben, legen die Arbeiterinnen ihre Verbindungswege zwischen den Brutkammern bevorzugt im Verborgenen an; freie Flächen werden nur im Ausnahmefall und unter hoher Geschwindigkeit überquert. - **Defensives Verhalten**: Bei Störungen des Nestes oder der Laufwege verhalten sich die Tiere im Vergleich zu anderen Wegameisen wenig aggressiv und flüchten stattdessen sehr schnell. - **Ködervermeidung**: Die Art meidet im Handel erhältliche Ameisengifte wie Ködergranulate mit dem Kontaktgift Fipronil, was die Schädlingsbekämpfung in Gebäuden erschwert.[6]

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Braune Wegameise (*Lasius brunneus*) zeichnet sich durch eine markante Zweifarbigkeit der Arbeiterinnen sowie einen ausgeprägten Größenunterschied zwischen den Kasten aus. Die Arbeiterinnen erreichen eine Körperlänge von 2,5–4 mm, während die Männchen mit 4–5 mm etwas größer werden. Die Königinnen sind mit einer Länge von 6,5–8,5 mm etwa doppelt so lang wie die Arbeiterinnen. Bei den Arbeiterinnen sind der Kopf und der freie Hinterleib (Gaster) dunkel gefärbt. Im Gegensatz dazu weisen der Rumpfabschnitt (Mesosoma), das Stielchen (Petiolus) und die Extremitäten eine deutlich hellere, gelblich-braune, braungraue oder leicht rötliche Färbung auf. Die Körperoberfläche besitzt eine glatte, schwach glänzende Skulptur. Die Körperbehaarung ist charakteristischerweise anliegend, wobei abstehende Haare (Setae) auf den Extremitäten vollständig fehlen. Ein spezifisches morphologisches Merkmal der Königinnen ist ihr im Vergleich zu anderen Arten wie der Schwarzen Wegameise (*Lasius niger*) relativ flach gebauter Thorax. Eine Verwechslungsmöglichkeit besteht primär mit der Zweifarbigen Hausameise (*Lasius emarginatus*). Diese lässt sich jedoch durch ihren insgesamt schlankeren Körperbau von *Lasius brunneus* abgrenzen. Belastbare morphologische Beschreibungen zu den Eiern, Larven und Puppen fehlen in der herangezogenen Literatur.[1]

Porträt

Beschreibung

Die Braune Wegameise (*Lasius brunneus*) wurde im Jahr 1798 von Pierre André Latreille unter dem Basionym *Formica brunnea* erstbeschrieben und wird heute innerhalb der Gattung *Lasius* der Untergattung *Lasius* (s. str.) sowie der *Lasius brunneus*-Artengruppe zugeordnet.[1] Diese Artengruppe umfasst im europäischen Raum zudem nahe verwandte Arten wie *Lasius neglectus*, *Lasius turcicus*, *Lasius lasioides* und *Lasius austriacus*.[11] Im Freiland zeichnet sich die Art durch eine markante Zweifarbigkeit der Arbeiterinnen aus, bei denen der dunkle Kopf und die ebenso dunkle Gaster in deutlichem Kontrast zum gelblich-braunen, braungrauen oder leicht rötlichen Rumpfabschnitt (Mesosoma) sowie den Extremitäten stehen. Unter dem Mikroskop offenbart sich als wichtiges diagnostisches Merkmal eine weitgehend glatte, schwach glänzende Oberflächenskulptur des Integuments sowie eine eng anliegende Behaarung. Ein entscheidendes Kriterium zur Abgrenzung von ähnlichen Arten wie der etwas schlanker gebauten Zweifarbigen Hausameise (*Lasius emarginatus*) ist das vollständige Fehlen abstehender Haare (Setae) auf den Extremitäten. Ein weiteres anatomisches Spezifikum betrifft die Königinnen, deren Thorax im Vergleich zu anderen Gattungsvertretern wie der Schwarzen Wegameise (*Lasius niger*) auffallend flach geformt ist. Die Größenverhältnisse innerhalb einer Kolonie zeigen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus: Während die Arbeiterinnen lediglich eine Körperlänge von 2,5 bis 4 mm erreichen, sind die Königinnen mit 6,5 bis 8,5 mm mehr als doppelt so groß, während die Männchen eine Zwischengröße von 4 bis 5 mm aufweisen. Die geflügelten Geschlechtstiere treten ausschließlich während der Fortpflanzungsphase auf, die durch einen zeitlich eng begrenzten Schwarmflug zwischen Ende Mai und Anfang August geprägt ist. Dieser Schwarmflug vollzieht sich an warmen Hochsommertagen primär in den Morgen- und Mittagsstunden zwischen 5:00 und 14:00 Uhr, wobei die Kopulation im Flug stattfindet. Nach der Begattung sterben die kleineren Männchen rasch ab, wohingegen die Königinnen ihre Flügel abwerfen, um claustral – also völlig isoliert in einer verschlossenen Kammer – eine neue Kolonie zu gründen. Als Gründungsorte dienen kleine, geschützte Hohlräume wie Rindenrisse, abgebrochene Äste oder verlassene Insektenbohrgänge im Holzbereich. Reife Kolonien können sowohl monogyn als auch polygyn strukturiert sein und weisen ein dynamisches Nestverhalten auf, bei dem die Gemeinschaft mit zunehmendem Wachstum in Richtung des Bodens wandert und dort weitverzweigte Kammersysteme anlegt. Im täglichen Verhalten zeigt die Art eine ausgeprägte Anpassung an eine verborgene Lebensweise: Die Arbeiterinnen legen ihre Verbindungswege zwischen den Brutkammern bevorzugt so an, dass sie für Fressfeinde unsichtbar bleiben, und überqueren offene Flächen nur im äußersten Notfall in schnellem Lauf. Bei Störungen reagieren die Tiere im Gegensatz zu wehrhafteren Ameisenarten wenig aggressiv und flüchten stattdessen unmittelbar.[1] Systematisch wurden in der Vergangenheit verschiedene Formen beschrieben, wie etwa die im westlichen Himalaya nachgewiesene Unterart *Lasius brunneus subsp. himalayanus*, deren taxonomischer Status jedoch unter Experten umstritten ist.[1] Zu den historischen Synonymen der Art gehören unter anderem *Formica timida* (Förster, 1850) sowie *Lasius niger var. alieno-brunneus* (Forel, 1874), was die historische Schwierigkeit der taxonomischen Abgrenzung widerspiegelt.[1]

Systematik

Name & Einordnung

Die Braune Wegameise (*Lasius brunneus*) wurde im Jahr 1798 von dem französischen Entomologen Pierre André Latreille unter dem Basionym *Formica brunnea* erstbeschrieben. Die Einordnung in die Gattung *Lasius* etablierte sich im Zuge der taxonomischen Aufspaltung der ursprünglichen Großgattung *Formica*.[4][5] In der Folgezeit kam es zu mehreren Neubeschreibungen und Umkombinationen, die heute als Synonyme geführt werden.[5] Dazu zählen *Formica timida* Förster, 1850, die von Auguste Forel im Jahr 1874 beschriebene Varietät *Lasius niger* var. *alieno-brunneus* sowie *Acanthomyops brunneus* var. *nigro-brunneus* Donisthorpe, 1926.[5] Systematisch gehört *Lasius brunneus* zur Unterfamilie der Schuppenameisen (Formicinae) und wird dort in die Untergattung *Lasius* (s. str.) eingeordnet.[4][5] Innerhalb dieser Untergattung bildet sie das Epizentrum der sogenannten *Lasius brunneus*-Artengruppe. Zu diesem europäischen Verwandtschaftskreis zählen taxonomisch nahestehende Arten wie *Lasius neglectus*, *Lasius turcicus*, *Lasius lasioides* und *Lasius austriacus*.[5] Der wissenschaftliche Artname *brunneus* (lateinisch für „braun“) bezieht sich auf die charakteristische Färbung des Rumpfabschnitts und der Extremitäten der Arbeiterinnen.[4][5] Neben dem standardisierten deutschen Trivialnamen „Braune Wegameise“ ist im anwendungsbezogenen Kontext auch die Bezeichnung „Braune Holzameise“ gebräuchlich, was auf ihre ökologische Nische als holzbesiedelnde Art verweist.[5]

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzung und der Lebenszyklus von *Lasius brunneus* sind eng an baumbewohnende Habitate und trophobiotische Beziehungen angepasst. Die geflügelten Geschlechtstiere schwärmen an warmen Hochsommertagen, wobei der Hauptschwarmflug von Ende Mai bis Anfang August vor allem in den Morgen- und Mittagsstunden zwischen 05:00 und 14:00 Uhr stattfindet. Die Kopulation erfolgt im Flug, woraufhin die kleineren Männchen sterben, während das begattete Weibchen die Flügel abwirft, um eine neue Kolonie zu gründen. Diese Koloniegründung erfolgt claustral in kleinen, verschlossenen Baumhohlräumen wie unter Borke oder in Insektenbohrgängen, wo die Königin isoliert die ersten Eier legt und die Larven aufzieht. Die heranwachsenden Kolonien können sowohl eine als auch mehrere Königinnen enthalten. Mit zunehmender Individuenzahl verlagern reife Kolonien ihre Aktivität bodenwärts und legen langlebige Kammernsysteme im Holz an, die über viele Jahre bestehen bleiben.[6][7] Belastbare Daten zur exakten Entwicklungsdauer der einzelnen Stadien (Ei, Larvenstadien und Puppe) sowie zu temperaturabhängigen Entwicklungsoptima fehlen in der vorliegenden Literatur. Die Ernährung der adulten Ameisen basiert primär auf einer intensiven Trophobiose mit Blattläusen, deren Honigtau durch Betrillern mit den Fühlern stimuliert, im Kropf aufgenommen und via Trophallaxis im Nest verteilt wird.[6][12] Zur Deckung des Proteinbedarfs, insbesondere für die Larvenaufzucht, tragen die Arbeiterinnen zusätzlich erbeutete Insekten in das Nest ein.[6][7] Diese trophobiotische Assoziation ist gegenseitig geprägt, da *Lasius brunneus* die Blattläuse aktiv gegen Fressfeinde wie Marienkäfer und deren Larven verteidigt. Der herbstliche Laubfall bedingt schließlich einen drastischen Rückgang der Blattlauspopulationen und des Honigtauangebots, was physiologisch den Übergang der Kolonie in eine Winterruhe auslöst.[6] Bei Störungen zeigt die Art ein ausgeprägtes Fluchtverhalten und verhält sich im Vergleich zu anderen Wegameisen wenig aggressiv.[6][7]

Lebensweise

Verhalten

Das Verhalten von *Lasius brunneus* ist stark durch eine ausgeprägte Trophobiose und ein Schutzverhalten gegenüber ihren Nahrungslieferanten geprägt. Die Arbeiterinnen betrillern die Hinterleiber von Blattläusen mit ihren Fühlern, um die Abgabe von Honigtau zu stimulieren, den sie im Kropf aufnehmen und im Nest an Artgenossen weitergeben.[6] Zum Schutz dieser Ressource verteidigen die Ameisen die Blattläuse aktiv gegen Fressfeinde wie Marienkäfer und deren Larven. Neben dieser trophobiotischen Lebensweise erbeuten die Tiere auch Insekten und tragen sie in ihr Nest ein. Das Sozial- und Territorialverhalten zeigt sich bei hoher Nestdichte, die bis zu 23 Nester pro 100 m² erreichen kann. Treffen zwei Kolonien im selben Baum aufeinander, kommt es zu aggressivem Territorialverhalten und gegenseitigen Kämpfen. Bei Störungen außerhalb dieser interkolonialen Konflikte verhält sich die Art gegenüber potenziellen Bedrohungen jedoch wenig aggressiv und flüchtet stattdessen schnell. Um sich vor Feinden zu schützen, legen die Arbeiterinnen ihre Verbindungswege zwischen den Brutkammern möglichst im Verborgenen an und überqueren freie Flächen nur im Ausnahmefall in schnellem Lauf. Das Fortpflanzungsverhalten ist durch einen zeitlich eng begrenzten Schwarmflug charakterisiert, der von Ende Mai bis Anfang August an warmen Hochsommertagen zwischen 5:00 und 14:00 Uhr stattfindet. Die Begattung erfolgt im Flug, woraufhin die Männchen sterben und die Königinnen nach dem Abwerfen der Flügel claustral in kleinen Holzhohlräumen eine neue Kolonie gründen. Beim Nestbau zeigen die Ameisen ein ausgeprägtes Zerkleinerungsverhalten: Sie zerlegen morsches Holz, aber auch künstliche Dämmstoffe wie Polystyrol mit ihren Mandibeln in winzige Teile, um weitverzweigte Gangsysteme anzulegen.[2][3]

Lebensweise

Ökologie

*Lasius brunneus* besiedelt als baumbewohnende Art bevorzugt lichte Laubwälder, Obstwiesen, Parkanlagen und urbane Baumbestände, wobei eine strikte Bindung an Gehölze besteht. Neben *Lasius fuliginosus* gilt sie in Mitteleuropa als die häufigste holzbewohnende Art ihrer Gattung. Die Nestdichte kann in Eichen-Hainbuchen-Wäldern bis zu 23 Nester pro 100 m² erreichen. Innerhalb eines einzelnen Baumes können zwei Kolonien koexistieren, welche sich jedoch bei direktem Kontakt gegenseitig bekämpfen. Für die Nestanlage bevorzugt die Art morsches Totholz im Wurzelbereich oder bis in eine Höhe von vier Metern über dem Erdboden, dringt von dort aus jedoch auch in lebendes Holz vor. Die Ernährung basiert primär auf einer intensiven Trophobiose mit Blattläusen, die auf Laubbäumen leben. Die Ameisen stimulieren die Blattläuse durch Betrillern mit den Fühlern zur Abgabe von Honigtau, den sie im Kropf in das Nest transportieren. Ältere Angaben gehen von einer ausschließlichen Ernährung durch diese Ausscheidungen aus.[6] Nach neueren Beobachtungen erbeutet die Art jedoch auch Insekten. Im Gegenzug verteidigen die Arbeiterinnen ihre Symbiosepartner aktiv gegen Fressfeinde wie Marienkäfer und deren Larven. Der herbstliche Laubfall bedingt einen drastischen Rückgang der Blattlauspopulationen, was wiederum zu einem Nahrungsmangel führt und die Winterruhe des Ameisenstaates einleitet.

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Lasius brunneus* erstreckt sich über weite Teile Europas bis in den Kaukasus und nach Kleinasien.[5] In Nordeuropa reicht das Vorkommen in Schweden bis zum 61. Breitengrad. Im Mittelmeergebiet ist die Art zwar weit verbreitet, bleibt dort jedoch weitgehend auf Gebirgsregionen oberhalb von 1.000 m Meereshöhe beschränkt.[5] Östliche Vorkommen im westlichen Himalaya (Indien und Pakistan) wurden historisch als Unterart *Lasius brunneus subsp. himalayanus* beschrieben, deren taxonomischer Status jedoch umstritten ist. Als baumbewohnende Art ist *Lasius brunneus* obligatorisch an Gehölze gebunden und besiedelt bevorzugt lichte Laubwälder sowie offene Habitate mit Laubgehölzen wie Obstwiesen. In Mitteleuropa gilt sie neben *Lasius fuliginosus* als die häufigste holzbewohnende Wegameisen-Art. In optimalen Habitaten wie den Eichen-Hainbuchen-Wäldern des Harzes werden hohe Nestdichten von bis zu 23 Nestern auf 100 m² erreicht. Dabei können sich zwei Kolonien im selben Baum etablieren, was bei direktem Kontakt zu territorialen Kämpfen führt. Für die Nestanlage bevorzugt die Art morsches Totholz, dringt von dort aus jedoch auch in lebendes Holz vor. Die Nester werden dabei sowohl im Wurzelbereich als auch in Höhen von bis zu vier Metern über dem Erdboden angelegt. Aufgrund ihrer engen trophobiotischen Bindung an baumbewohnende Blattläuse ist die Art auch in städtischen Parkanlagen und Alleen häufig anzutreffen.[5] Ausgehend von nahestehenden Laubbäumen besiedelt *Lasius brunneus* regelmäßig den menschlichen Siedlungsraum, wo sie in verbautes, feuchtes Holz sowie in Dämmstoffe wie EPS- und XPS-Polystyrolplatten eindringt.[9] Durch das Zerkleinern von Baumaterialien wie Gipskartonplatten zur Nestkonstruktion gilt sie in Deutschland als die am häufigsten gemeldete schädliche Wegameise in Gebäuden.[10]

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Germany

    20.12.2025

  • Ochsenberg, Kamenz, Deutschland

    09.12.2025

  • Deutschland

    09.12.2025

  • Germany

    16.11.2025

  • Deutschland

    15.11.2025

Daten: iNaturalist

Sichtungen

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Zuletzt am 01.07.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivitätsphase von *Lasius brunneus* ist stark an den saisonalen Rhythmus ihrer Wirtsbäume und die Verfügbarkeit von Trophobiose-Partnern gekoppelt. Da sich die Art bevorzugt vom Honigtau der Baumläuse ernährt, führt der herbstliche Laubfall und der damit verbundene Rückgang der Blattlauspopulationen zu einer ausgeprägten Winterruhe des Ameisenstaates.[6] Diese Inaktivität spiegelt sich auch im öffentlichen Interesse wider, da Suchanfragen zur Art in den Wintermonaten Januar und Februar vollständig stagnieren.[8] Mit dem Frühjahr und dem Neuaustrieb der Gehölze setzt die Aktivität der Arbeiterinnen wieder ein. Die Fortpflanzungsphase gipfelt im saisonalen Schwarmflug, der sich von Ende Mai bis Anfang August erstreckt. An warmen Hochsommertagen schwärmen die geflügelten Geschlechtstiere primär in den Morgen- und Mittagsstunden zwischen 05:00 und 14:00 Uhr aus, um sich im Flug zu paaren. Während die kleineren Männchen unmittelbar nach der Begattung sterben, werfen die begatteten Weibchen ihre Flügel ab und beginnen unverzüglich mit der claustralen Koloniegründung in geschützten Holzstrukturen.[7] Das Maximum des öffentlichen Interesses verschiebt sich folglich in den Frühsommer und erreicht im Juni seinen jährlichen Höhepunkt.[8] Im täglichen Aktivitätsmuster verhalten sich die Arbeiterinnen bei der Nahrungssuche extrem unauffällig, indem sie offene Flächen meiden und bevorzugt verdeckte Verbindungswege nutzen. Bei Störungen reagieren die Tiere nicht aggressiv, sondern flüchten rasch in die schützenden Nestkammern.[7]

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Braune Wegameise (*Lasius brunneus*) ist in Deutschland die am häufigsten als Schadameise in Gebäuden gemeldete Art ihrer Gattung.[2] Ihr primäres Schadpotenzial liegt in der Zerstörung von verbautem Holz und modernen Dämmstoffen, während eine direkte gesundheitliche Gefährdung für den Menschen nicht vorliegt. Die Ameisen besiedeln bevorzugt durchfeuchtetes Holz im Innen- und Außenbereich und können dieses großflächig zerstören.[2] Neben Konstruktionshölzern zerkleinern die Arbeiterinnen auch Gipskartonplatten mit ihren Mandibeln.[3] Besonders weitreichende Schäden entstehen in EPS- und XPS-Wärmedämmplatten aus Polystyrol, da deren Materialbeschaffenheit feuchtem Totholz ähnelt und die Anlage umfangreicher Gang- und Kammersysteme begünstigt.[2] Ein Befall wird meist erst sehr spät erkannt, da die Tiere das zerkleinerte Material unbemerkt in andere Hohlräume oder nach draußen transportieren.[3] Zudem wählen sie ihre Verbindungswege so, dass sie für Beobachter unsichtbar bleiben, und überqueren freie Flächen nur im Ausnahmefall. Zur baulichen Prävention ist der konsequente Schutz von Holzkonstruktionen vor Feuchtigkeit entscheidend, da trockenes Holz für die Nestanlage ungeeignet ist.[2] Eine chemische Bekämpfung mit handelsüblichen Ameisengiften, wie Ködergranulaten mit dem Kontaktgift Fipronil, ist oft wirkungslos, da diese Wirkstoffe von der Art gemieden werden. Bei Störungen zeigt sich die Art zudem wenig aggressiv und flüchtet rasch, was das Auffinden des Nestes zusätzlich erschwert.

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

*Lasius brunneus* besitzt eine erhebliche wirtschaftliche Relevanz als Material- und Bauschädling, wobei sie in Deutschland die am häufigsten gemeldete Schadameise in Gebäuden darstellt.[2][3] Die Art nistet natürlicherweise in morschem Totholz, besiedelt jedoch opportunistisch auch verbautes und gelagertes Holz in der Nähe von Laubbäumen. Sobald dieses Konstruktionsholz durchfeuchtet ist, kann die Ameise durch ihre Nestbauaktivitäten großflächige Zerstörungen an der Holzsubstanz verursachen.[2] Neben Holz greift die Art auch andere Baumaterialien an; so ist sie in der Lage, Gipskartonplatten mechanisch zu zerkleinern.[3] Besonders gravierende Schäden entstehen in modernen Gebäuden durch die Besiedlung von EPS- und XPS-Wärmedämmplatten aus Polystyrol, da deren Konsistenz der von feuchtem Totholz ähnelt.[2] Die Arbeiterinnen zerlegen das Dämmmaterial mit ihren Mandibeln in winzige Partikel und transportieren diese nach außen oder in Hohlräume. Da dieser Abtrag oft im Verborgenen stattfindet, wird der Befall meist erst in einem sehr späten Stadium für die Eigentümer sichtbar.[3] Im forst- und landwirtschaftlichen Kontext schädigt die Art indirekt, indem sie im Rahmen einer Trophobiose Blattläuse auf Laubbäumen intensiv gegen natürliche Fressfeinde wie Marienkäfer verteidigt. Diese enge Verbindung zu den Honigtauerzeugern führt im Herbst bei Laubfall zu einem drastischen Rückgang des Nahrungsangebots, was die Winterruhe des Staates einleitet.[6] Belastbare ökonomische Daten zu den jährlichen Gesamtschadenssummen oder den durchschnittlichen Sanierungskosten im Bauwesen fehlen in den vorliegenden Quellen.[2][3]

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. Bernhard Seifert: A taxonomic Revision of the Palearctic Members of the Ant Subgenus Lasius s. str. (Hymenoptera, Formicidae). In: Abhandlungen und Berichte des Naturkundemuseums Görlitz. Band 66, Nr. 5, 1992, S. 1–67.
  2. Wolfram Scheiding, Peter Grabes, Tilo Haustein, Vera Haustein, Norbert Nieke, Harald Urban, Björn Weiß: Holzschutz: Holzkunde - Pilze und Insekten - Konstruktive und chemische Maßnahmen - Technische Regeln – Praxiswissen. Carl Hanser Verlag, 2016, ISBN 978-3-446-44844-5, S. 160.
  3. Ulrich Arnold, Tobias Huckfeldt, Jens Biesenack, Claudia Gust, Reinhard Keller, Gerald Koch: Holzspielplätze: Planung, Konstruktion, Schäden, Instandhaltung. Beuth Verlag, 2011, ISBN 978-3-410-21848-7, S. 147.
  4. gbif.org/species/5035823
  5. Seifert, B. (1992). A taxonomic Revision of the Palearctic Members of the Ant Subgenus Lasius s. str. (Hymenoptera, Formicidae). Abhandlungen und Berichte des Naturkundemuseums Görlitz, Band 66, Nr. 5, S. 1–67.
  6. Karl Escherich: Die Ameise: Schilderung ihrer Lebensweise. Braunschweig 1917 (Verlag Springer-Vieweg, 2013, ISBN 978-3-322-98715-0)
  7. Bernhard Seifert: Ameisen beobachten bestimmen. Naturbuch Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-89440-170-2
  8. Aggregierte Suchtrends für das Suchwort 'Braune Holzameise' in Deutschland (Datenstand: 2026)
  9. Scheiding, W., Grabes, P., Haustein, T., Haustein, V., Nieke, N., Urban, H., Weiß, B. (2016). Holzschutz: Holzkunde - Pilze und Insekten - Konstruktive und chemische Maßnahmen - Technische Regeln - Praxiswissen. Carl Hanser Verlag, S. 160. ISBN 978-3-446-44844-5.
  10. Arnold, U., Huckfeldt, T., Biesenack, J., Gust, C., Keller, R., Koch, G. (2011). Holzspielplätze: Planung, Konstruktion, Schäden, Instandhaltung. Beuth Verlag, S. 147. ISBN 978-3-410-21848-7.
  11. F. M. Steiner, B. C. Schlick-Steiner, S. Schödl, X. Espadaler, B. Seifert, E. Christian, C. Stauffer: Phylogeny and bionomics of Lasius austriacus (Hymenoptera, Formicidae). In: Insectes Sociaux. Band 51, 2004, S. 24–29. doi:10.1007/s00040-003-0699-8
  12. Heiko Bellmann: Bienen, Wespen, Ameisen. Hautflügler Mitteleuropas. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1995, ISBN 3-440-09690-4